Keep fishing – Icefishing im Süden Montreals
Hallo zusammen,
nach langer Zeit endlich mal wieder ein Artikel aus Montréal. Und noch dazu brandaktuell, da das hier beschriebene Ereignis erst gestern statt fand.
Wie der Artikelname schon erschliessen läßt, war ich mit Freunden ausgezogen um für Nahrung zu sorgen. Im nun doch recht kalten Kanada ist das nun nicht ganz einfach, zumal das Wasser großteils gefroren ist, zumindest draussen, und somit erst ein fachgerechter Zugang zum natürlichen Habitat des Objekts der Begierde freigelegt werden mußte. Anders ausgedrückt, ein Profi mit benzingetriebenem Bohrer sorgte für 10 einwandfreie Löcher, in die wir unsere Fischerleinen hängen konnten.
Aber fangen wir von vorne an.
Samstag um 9.00 am zogen 3 Freunde ich los Richtung Notre Dame de Fatima (kein Scherz, dass Kaff heißt wirklich so) welches auf dem Festland gelegen ist, südlich der Insel Montréal. Ca. 45 Minuten Fahrt und einen kurzen Stop beim IGA Supermarkt um Sushi zu kaufen später erreichten wir also das Ufer, an welchem wir unser Auto auf den gefroreren Fluß chauffieren sollten. Ist schon ein komisches Gefühl, vor allem wenn das Navi dann leicht panisch mit “Recalculating” auf die drohende Gefahr aufmerksam machen will. Aber ihm war ja der Aggregatzustand des Wassers nicht bewußt.
Nach einer kurzen Anmeldung, dem Erhalt von 10 Angelruten und einem Eimer voller lebender Köderfische fuhren wir also auf dem zugefrorenen St. Lorenzstrom weiter Richtung Cabin Nr. 17, der uns zugeteilte Hütte für heute. Ausgestattet mit 4 Wänden, 3 Fenstern, einem Dach, einer Tür und einem Holzofen hatte sie alle Annehmlichkeiten die man zum Eisfischen braucht. Aber auch nicht mehr.
Kurz Zeit später kam dann auch der Herr des Gewässers, oder zumindest der Hütten, und dübelte uns die 10 Löcher ins Eis.
An jedes dieser Löcher rammten wir dann eine der Angelruten, hakten einen Köderfisch an den Haken und ließen diese mit Gewichten an den Floßen in die kalten Tiefen des St. Lorenzstroms hinab mit dem klaren Auftrag, größere Kollegen anzulocken und davon zu überzeugen in den Haken zu beißen. Nun, soviel sei gesagt, die Überzeugungskraft der Köder ließ zu wünschen übrig. Nur 2 kleine Fische ließen sich überreden aus den kalten und dunklen Gewässern in die kälteren, aber auch helleren Gefielde zu kommen. Wir haben sie wieder zurück geworfen. Man hat schließlich Ansprüche.
Das Angler aber nicht nur die netten, freundlichen und harmlosen Gesellen von eben an sind erfuhren wir dann sehr deutlich, als plötzlich 2 Polizeiautos vor der Nachbarhütte hielten. Die Jungs und Mädels dort waren ausgerüstet wie Profis. Ca. 20 Personen, mit Musik (AC/DC etc.) Grill und mehreren Kästen Bier… das sah aus als würden die das nicht zum ersten Mal machen. Aber als dann einer von denen in Handschellen abgeführt wurde herrschte plötzlich weniger entspannte Stimmung. Sowas kann einem wohl jäh den Spaß verderben.
Was er gemacht hat? Keine Anhnung… vielleicht Fische belästigt.
Auch wenn wir effektiv nichts für den heimischen Herd gefangen haben und damit unter Beweis stellten, dass wir als Ernährer einer Familie nur bedingt taugen (unser bevorzugtes Jagdutensil ist doch eher die EC-karte), so hat es doch viel Spaß gemacht. In einer verrauchten Hütte zu sitzen und gebannt auf 10 Angelruten zu starren, nur um dann wie von der Tarantel gestochen aus dieser zu stürmen wenn einer der Ruten zuckte, das ist schon witzig.
Das nächste Mal fährt aber jemand anders. Mit Bier macht das mit Sicherheit noch mehr Laune.
Au revoir,
Erik




