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Archiv für Juli 2010

The rime of the Ancient Mariner – Canoeing beim Lac Monroe

16. Juli 2010 1 Kommentar

Salut a tous,

letztens waren wir, für mich zum ersten Mal, Kanu fahren. Und zwar im Mont Tremblant National Park, genauer dem Diable River. Hört sich schlimmer an als es wirklich ist.

Infos findet Ihr überigens hier :

Infos

Man fährt von Montréal ca. 2 Stunden Nord westlich, meldet sich dann bei der Einfahrt in den National Park an (damit man nicht verloren geht) und fährt dann nochmal ca. 20 Minuten durch den Park selber, bis man dann an der Station am Lac Monroe ankommt. (+46° 20′ 12.36″, -74° 30′ 0.95″)

Von hier aus wurden wir dann mit Schwimmwesten, Notfallbox und Paddeln versorgt und mit einem gelben Schulbus mit Kanu Anhänger zum Startpunkt unserer Kanureise gefahren.

Transport von Mensch und Material

Nach einer knappen halben Stunde waren wir dann auch schon am Zielpunkt, der eigentlich ja der Startpunkt war.

Blick auf den Fluß - hier geht es los

Wir waren zu fünft, hatten also ein Kanu mit 2 und eins mit 3 Personen. Nach einer kurzen Diskussion wo wir überhaupt hin paddeln müßen (rechts oder links), die durch einen Blick auf die mitgelieferte Karte eindeutig entschieden wurde (rechts), ging es dann los.

Auf die Plätze, fertig..... wo geht's lang?

Kanu ins Wasser, alle bis auf einen ins Boot und dann anschieben, reinhüpfen und paddeln.

... und paddeln

Das Interessante dabei ist den Kurs zu halten. Denn je nachdem wer stärker paddelt wird das Kanu in die entsprechende Richtung gedreht und man kommt vom geraden Weg, von Fachleuten auch “Kurs” genannt, ab.

Da wir das alle wohl zum ersten Mal gemacht, hatten fuhren wir auch eher eine schöne Schlangenlinie auf dem Fluß. Aber wie auch immer unsere Srecke aussah, wir hatten jedenfalls Spaß.

Nach kurzer Zeit mußten wir dann aber auch schon den Widrigkeiten der Natur ausweichen, in diesem Fall Stromschnellen, die, wie wir nachher sahen, ihren Namen eigentlich nicht verdienten. Es waren eher “Strom-nicht-so-schnellen”, an einigen Stelle ins “Strom-langsamen” abdriftend. Aber das konnten wir von unserem Standpunkt aus nicht sehen, und da wir ja quasi ungelernt waren, wollte wir uns diesem Risiko nicht aussetzen.

Also haben wir die Kanus um die Strom-was-auch-immer herum getragen.

Kanu, seiner natürlichen Umgebung beraubt.

Man kann die Teile alleine tragen, da in einer der Sitzbanken eine halbrunde Aussparung ist, die man sich dann in den Nacken setzt und somit das Boot auf dem Rücken hat.

Man muß das aber nicht, und die Kanus sind doch schwerer als gedacht.

Nun, wie auch immer, nach kurzer Zeit hatten wir den Einstiegspunkt hinter der gefährlichen Stellen erreicht und fuhren weiter.

Doch die Natur ist böse, hinterhältig und gemein zu uns Stadtmenschen, und so mußten wir schon kurz danach erfahren, das Kanus, anders als die Titanic, nicht unsinkbar sind.

Wie es aber gute Sitte ist, “niemand wird zurück gelassen”, konnten wir mit vereinten Kräften die indianische Nußschale wieder flott machen. Glücklicherweise war es auch warm genung, so dass trotz vollständiger Nässe von Kapitän und Bootsmann bzw. -frau des Unglücksschiffes sowie teilweiser Nässe des Rettungspersonals, keiner ernsthaft frieren mußte.

Und auch Materialverlust war nicht zu beklagen, fanden wir doch den vermeindlich gesunkenen Schuh nur wenige Meter später fröhlich and der Wasseroberfläche treibend wieder.

Das Rettungspersonal auf dem Rückweg zum eigenen Kanu

Von da an war die Reise relativ ereignislos. Keine Unglücksfälle, nur Sonne, Gegend (und zwar richtig viel davon) und Mücken (davon sogar noch mehr als Gegend).

kanadische Gegend

Da niemand 4 Stunden am Stück durch die Natur kanuen möchte, wir waren schliesslich zu unserem Vergnügen auf dem Wasser (auch wenn die Mücken das anders sahen), machten wir auch die ein oder andere Pause am Flußufer. Und wurden von unserer belgischen Begleitung (die Kapitänin des Unglücksdampfers) köstlich und reichlich bewirtet.

Pause auf einer Sandbank

Danach war dann wieder Gegend zu bewundern.

...noch mehr kanadische Gegend

Kurz und knapp… es macht mörderisch Spaß, man sollte definitiv Mückenspray und Sonnenschutz dabei haben und es ist einfacher als gedacht. Und dauert ca. 4  Stunden.

:) Erik

Take 5 – Das Montreal Jazz Festival

14. Juli 2010 1 Kommentar

Bon jour,

dieses Jahr haben wir es geschafft. Nachdem wir letztes Jahr exakt an dem Tag nach Montréal zogen, an dem das Jazz Festival zu Ende war, haben wir diesmal nichts anbrennen lassen. Die einzige richtige Herausforderung war, sich zwischen den vielen (über 650!) Konzerten zu entscheiden. Aber auch hier fanden wir eine Lösung.

Wir besuchten 4 Konzerte für die Tickets verkauft wurden und erhielten im Endeeffekt 5, da bei dem letzten (Dave Brubeck!) noch das Parc-X Trio den Grand Jazz Award erhielt und ein paar ihrer Stücke spielen durften. Sie waren sozusagen die Vorgruppe zum Dave Brubeck Quartet.

Aber der Reihenfolge nach.

Das Montréal international Jazz Festival ist das größte Jazz Festival der Welt. Über 650 Konzerte, davon 450 kostenfrei auf den 10 Outdoor Live-Bühnen, ca. 2.5 Millionen Besucher in 10 Tagen und 3.000 Künstler aus 30 Ländern. Ein unglaubliches Ereignis.

Der Großteil der Konzerte findet am bzw. im Quartier des Spectacles statt. Das ist ein relativ neu gebauter oder, genauer gesagt, renovierter Bereich um das Centre Desjardin und dem Place des Arts herum. Hier befinden sich sowohl die 10 freien Bühnen als auch einige Konzertsäle, z.b. der Salle Wilfrid Pelletier, der größte Mehrzwecksaal in Canada (ca. 3.000 Plätze).

Musiktechnisch wird so ziemlich alles angeboten, vom klassischen Jazz über Blues, Latin Jazz, Electronica, Reggae etc. etc. Es ist wirklich für jeden was dabei.

Burkina Electric auf der Bell Stage

Und wer sich nicht in die Massen auf dem Quartier des Spectacles stürzen möchte, kann auch in diversen Pubs und Bars in der gesamten Stadt Gigs finden, die seinem Geschmack entsprechen.

Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass dies ein Festival nur für Erwachsene ist, aber weit gefehlt. Wie man die Kanadier, und insbesondere die Montréaler kennt, wird die ganze Familie unterhalten.

Z.B. mit einem begehbaren Klavier….

Oder mit Gesichtsmalereien …

Kurzum, hier kam jeder auf seine Kosten. Für die einen war es der Jazz, für die anderen einfach der Spaß an dem Spektakel.

Rio Tinto Stage

Der ein oder andere nutzte dies auch für seine persönliche Show, so zum Beispiel dieser Unbekannte, der an dem Tag mit Sicherheit das am meisten fotografierte Motiv auf dem Platz war.

Jepp, es liefen teilweise schon schräge Gestalten herum, aber alle hatten einen riesen Spaß, und das war die Hauptsache.

Treppe am Place des Arts

Und wenn man schon seinen kulturellen Hunger so ausgiebig stillen kann, dann darf der leibliche natürlich nicht zu kurz kommen. Deshalb waren auch mehrere Stände vorhanden, die Bier, Hotdogs, mexikanische Küche etc anboten.

Hot Dogs :)

Aber auch für diejenigen unter uns, die vitaminreiche Kost wünschten, war etwas dabei. Und das sah sogar recht kunstvoll aus.

Mango Blumen

Jepp, Mangos in Blumenform.

Aber zurück zum eigentlichen Event, dem Jazz, bzw. der Musik.

Wie schon gesagt hatten wir das Glück 4 bzw. 5 Konzerte zu besuchen.

Am 26.06.10 ein wundervoller Paolo Fresu zusammen mit Ralph Towner an der Gitarre.

Dann am 28.06.10 der unglaubliche Manu Katché in Begleitung von Tore Brunborg (saxophone), Alfio Origlio (piano/Fender Rhodes) und Laurent Vernerey (Bass).

Der 03.07.10 statt dann im Zeichen von Keith Jarrett bzw. dem entsprechenden Trio, bestehend aus ihm, Jack DeJohnette und Gary Peacock.

Jazz vom Feinsten, ein Jarrett der einfach herrlich spielte, Jack DeJohnette der sich auf den Drums richtig austobte und sichtlich Spaß hatte und Gary Peacock, von dem ich mir manchmal etwas mehr gewünscht hätte, der aber natürlich auch hier über jede Kritik erhaben war.

Ein absolutes Highlight, auch wenn irgendein, sorry, Depp kurz bevor die 3 noch eine Zugabe spielen wollten ein Foto von Jarrett am Mikrofon machte.

Es wurde vor dem Konzert mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass Fotos nicht erlaubt sind, und wer Jarrett kennt weiß, dass er bei solchen Sachen… nun ja, empfindlich reagiert. Und das tat er dann auch, das Konzert war beendet.

Und dann das zweite Highlight des Festivals, der Meister himself, das Urgestein des Jazz, fast 90 Jahre aber immer noch bereit und fähig “das Haus zu rocken”.

Dave Brubeck spielte am 05.07.10 zusammen mit einem nicht nur physisch sondern vor allem auch musikalisch beeindruckenden Bobby Militello (Sax/Querflöte), einem manchmal etwas sehr abgefahrenen Michael Moore (Bass) und einem für sein Alter erstaunliche Solos trommelnden Randy Jones (Drums) im Théâtre Maisonneuve.

Die 4 Silberhäupter waren die Krönung. Dave Brubeck bekam übrigens an dem Abend den Miles Davis Award für sein Lebenswerk.

Nach ca 1 1/4 Stunden bestem Brubeck Jazz lies er es sich dann nicht nehmen, unterstützt von einer hübschen Mitarbeiterin des Jazz Festivals(der Geniesser), wieder an das Klavier zu gehen und noch mal ca. 30 Minuten Zugaben zu spielen.

Und da kamen sie dann, die Klassiker. Oder wie er sagte: “Wir spielen sie lieber jetzt, bevor wir sie vergessen.”

Take 5 und Blue Rondo à la Turk!

Live!

Von Ihm!

Mehr muß ich nicht schreiben, oder? :D

Oh, eins noch. Noch niemand hat sich mit einem so charmanten “We are going now” vom Publikum verabschiedet.

Es gab aber auch einige kleine Momente, die mich immer wieder erstaunten. So zum Beispiel als ich sah, dass bei einer Top modern ausgestatteten PA-Anlage zur Kommunikation mit der Festivalleitung ein, sagen wir mal, nicht mehr ganz so modernes Telefon verwendet wurde.

Modernste Kommunikationsmittel bei den Sound-Technikern

Nun, was soll ich noch schreiben? Das Festival ist gigantisch, in jeder Hinsicht, sowohl vom reinen Ausmaß als auch von der Qualität der Künstler her gesehen. Ich freue mich schon wie ein kleines Kind auf nächstes Jahr!

Au revoir!

Erik

Kategorien:Festival, Jazz, Montreal, Musik
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